mardi 16 février 2021

Journalseite

Elice sagte ich würde mich isolieren. Irgendwann würde ich zu einem Kokon mutieren und aus dieser Hülle nicht mehr herausfinden  

Ja, ich isoliere mich, nicht weil ich keine Menschen mag, sondern weil ich mich im Kontakt mit der Welt, dem Lärm, der Menge, den zu langen Diskussionen erschöpfe, auch weil ich lieber allein bin als von Menschen umgeben, die  nicht  auf gleichen öder ähnlichen Frequenzen vibrieren wie ich.

Nein, ich sage nicht, dass sie weniger interessant sind. Sie sind bestimmt intelligenter, besser, interessanter als ich. Ich habe keine hohen Ansprüche. Ich sage nur, unsere Empfindungen und Gefühle erreichen nicht die gleichen Höhen. 

Ich sage auch, ich weiß was ich will und wohin ich gehe und was mir überhaupt nicht passt. Ich brauche keine Gesellschaft. Ich fühle mich nie allein, ich fühle mich wunderbar in der Stille.

Und wenn ich Menschen empfange, dann deshalb, weil ich sie mag, weil ich sie zu meinen Freunden zähle und weil der Wunsch da ist und auch das Vergnügen! 

Sehr oft gehe ich aus meine Ruhe, meinem inneren Frieden, meinen Ressourcen, meinem Loslassen, meiner Gelassenheit immer wieder aus meiner Blase "allein zu Hause" oder draußen "mitten in der Natur" heraus.

Ich liebe Menschen sehr, höre ihnen zu, berate sie und helfe ihnen ... Aber danach fordert mein "Ich" eine Pause.

Ich bin selektiv was Freundschaften betrifft. Ich bin ein selektiver Empath. Ein Empath, der auf seine Gefühle, auf seinen Körper, seinen Geist und auf seine Seele hört. Ich fühle mich nicht allein oder sogar einsam. Wenn ich mit jemandem meine Zeit verbringe ist es nicht nur um eine Lücke zu füllen, sondern weil ich diesen Menschen mag oder sogar liebe.

Elice sagt es sind Ausreden. Ich rede nur die Isolation schön.

Ja nein, tue ich nicht!

Je vais prendre mon courage à deux mains. Je ne vais pas avoir peur du vide. Ich werde meinen Mut in beide Hände nehmen. Ich werde diese Leere überwinden. Diesen Stein mit scharfen Kanten, der sich  Platz in meinem Herzen macht, werde ich entfernen, bevor er mich aushöhlt. Zum Teufel mit dem Traurigkeitsstein! 

Ich verstecke mich hinter den Worten vor mir selbst und verliere mich. Ich verliere mein Ich. 

Der Stein ist die Angst vor Veränderungen. Obwohl ich mich dem logischen Alltag anpasse, viel dazu lerne, ist meine emotionale Veränderung gefühlte Ewigkeitsschritte zurück.

Und ich verändere mich ständig und versuche, das Selbst zu finden, mit dem ich leben kann mit dem Selbst ich mich versöhnen kann ... Und ich frage mich......ob Maman mich dann noch finden könnte.....

Maman würde mir verbal die Ohren lang ziehen. Sie würde außer sich sein, wenn ich nichts aus mir machen würde, wenn mein Leben zum  emotionalen Herzstillstand kommen würde, ich mich im Universum verlieren würde. Sie würde mich überall finden. Mütter sind verzauberte Feen mit schokoladebraunen Augen und zarten Händen. Sie wissen am besten, wie sie die Angst und den Schmerz vertreiben können.

Was habe ich denn zu bieten? Strubbelhaare, einen Körper wie ein Teenager mit 16. Da sind manche 16jährige femininer als ich. Herzklappen die sich nicht richtig schließen, Sarkasmus und Ironie.

"Verspichst du mir, dass du glücklich wirst"? fragte Maman, als wir uns zum letzten Mal umarmten. Wir umärmelten uns, als würden wir uns nicht mehr von einander lösen wollen.

"Aber ja, irgendwann mal," antwortete ich und mir fiel gar nicht auf wie weit weg Maman von mir schon war. Wie weit weg von ihrem Leben, als wüsste sie schon, dass es bald enden würde.

Was habe ich noch alles verpasst, übersehen, überhört...

Ich vermisse Maman. Ich vermisse ihre leise und ruhige Stimme, als hätte sie alle Ruhe der Welt in ihrer Stimme gesammelt, wie eine Wolke alle Regentränen sammelt. 

Was ist wenn ich mich irgendwann nicht einmal mehr an ihre Stimme erinnere? Wenn ich in nicht einmal mehr in Gedanken mit ihr reden kann. Was ist wenn ich ihren schelmischen Blick vergesse, oder ihre zärtlichen, weichen Hände wie sie durch meine Strubbelhaare fuhren. Wie sie mich Schäfchen nannte.

Wenn ich sie träume, sieht sie mich mit müden, glanzlosen Augen an. Und ihre blassen, blutleere Lippen die mich zitternd fragten: "Du kommst doch zurück? " Ich fühle ihre leichte Hand auf meiner Schulter und höre ihre Stimme an meinem Ohr leise flehend "du gehörst hier her," sagen.

Elice hat Recht: ich verkrieche mich. 


Die Zeit ist da
um ein Morgen in ein Heute zu verwandeln
ein Heute in ein Gestern 
und ein Gestern in eine Erinnerung
oder in ein Nichts


Elice ist nicht da. Sie versteht es nicht wieso ich in einem fremden Land in einer ihr fast fremden Sprache studiere. Sie spricht zwar Deutsch aber sie tut sich relativ schwer damit. Mit ihr würde ich gerne um die die hiesigen Hochhäuser ziehen. Sie wäre von der Großstadt begeistert.

Ich kenne nur den Weg zur Universität, zum Wochenmarkt, zum Krankenhaus und zum Fluss. Ich vermisse Elice und ihre Seitenschubser mit dem Ellenbogen in meine Rippen.

Sie würde jetzt meine Hauspuschen von den Füßen reißen und in die Ecke werfen, mir Schuhe anziehen und mich von der Couch zerren. Ich würde mitrennen, da ich mich nicht losreißen könnte.

Hier habe ich nur schlechte Kollegen, gute Kollegen und bessere Kollegen und ein paar Kommillitonen, die mich ab und zu einladen mit ihnen um die Häuser zu ziehen und denen ich in letzter Zeit immer absage. 

Noch habe ich nicht alle Gedanken sortiert,
noch habe ich nicht alle Worte gefunden,
die sich in den Herzhäuten versteckt haben
wie du in einer Ecke des Himmels,
um weder dich noch die Träume zu beschreiben
von einer kalten Hand die mich
nur einen Augenblick lang im Schlaf berührt.
Ich sehe dich immer noch lieberot und lebensgrün vor mir.
Dein Lächeln ist immer noch honiggelb
und dein Kleid duftet immer noch nach Kornblumenblau
und nach Meer 
Ich trage immer noch so viel Sehnsucht in den Gezeiten
und dein Meer in meinem Namen
und dich trage ich immer noch überallhin.


©Émilia





samedi 26 décembre 2020

Mitteilung - Buchform

 

Ich schreibe für gestern, für heute und für morgen. Ich schreibe für mich, für dich .  Meine Worte sind himmelblau und sandfarben und sie duften nach Anfängen, nach Sonnenaufgängen, nach Anfang einer Liebe, nach meinem Anfang, nach Ende, nach Lebensende, nach Liebesende, nach Sonnenuntergängen.

Ich schreibe über die Sandfrau. Über die Liebe, über das Werden, über sie als Mensch, über sie als Frau, als Liebende,  über Lust und Leidenschaft, über Veränderungen, Verwirrungen, über Umwege, Agonie, Fragilität.


"Bei mir sind die Feiertage in rot geschrieben" - sagtest du; bei mir auch, antwortete ich und fügte hinzu, dass ich auch einen  Feiertag in blau geschrieben habe - DU




So das ist der Klappentext. 



Jedem der schreibt ist es bekannt, dass man den einen oder anderen Abschnitt, oder sogar ein ganzes Kapitel überarbeitet. 
Manchmal unterlaufen mir Schreibfehler, oder die Formulierung passt mir ganz und gar nicht, oder aber ich muss noch etwas ergänzen.
Dann überarbeite ich immer wieder mal Seite für Seite.

Was ich damit sagen möchte: ihr solltet immer wieder mal nachlesen ob sich der eine oder andere Kapitel geändert hat.

Zur Zeit habe ich nur wenig Schreibzeit und oftmals schreibe ich etwas flüchtig auf und es entstehen diese berühmten "Rennfehler" die ich lange übersehe, bis man mich darauf hinweist.
Für die Hinweise bedanke ich mich herzlich

Émilia




vendredi 11 décembre 2020

Das Eigentliche

"-Lass dich treiben, lass es gut sein, nimm das Leben leicht.-" Leicht gesagt, schwer getan. Es ist nicht immer einfach um einem herum und manchmal glaubt man das was gerade ist, sei viel zu schwer. Und dann atmet man durch und stellt sich dem Leben, man packt an, man versucht die Alltagsaufgaben zu lösen. Doch manchmal stagnieren wir, können nichts ausrichten, fühlen uns hilflos. Dann lassen wir uns treiben. Anschließend setzen wir ein Pokerface auf und sehen was um uns herum einfach passiert."

"Hey!"

Maré zuckte zusammen, als hätte man sie in einer Mathestunde beim "Träumen" erwischt. Sie sah erschrocken auf und blickt in das lächelnde Gesicht ihrer Kollegin. Sie waren keine Freundinnen, aber mit der Zeit sehr gute Kolleginen geworden. Sie stand neben ihr. Ihre schulterlangen mittelbraunen Haare trug sie offen. Sie hatte perfekte gerade Haare, als hätte die Natur oder die Genetik ein Lineal angelegt damit die Haare gerade entlangwachsen.

"Hast du geträumt oder dich wieder von der Außenwelt verkrochen?" stichelte sie

"Was? Ja, nein, habe nur nachgedacht." antwortete Maré einsilbig.

"Ich habe Durst! Komm mit auf einen Drink!" Ihre Kollegin tänzelte vor ihr.

"Lass gut sein. Kann ich heute nicht. Muss noch lernen." Maré wandte sich ab.

"Nennt du in Melancholie zu versinken, lernen? Weisst du was?  Man weiß nicht immer was das Beste für einem ist. Manchmal muss man jemanden das geben was er braucht und nicht was er will. Du brauchst Ablenkung meine Liebe!" Sie packte Maré am Arm und zog sie mit sich.

"Lass das bitte! Zerre nicht an mir herum." wehrte sich Maré sichtlich genervt. "Und hör auf " meine Liebe" zu mir zu sagen!"

"Meine Unliebe dann! Mach schon!" scheuchte ihre Kollegin sie.

Sie weiß vom Tod von Maré's Mutter und von Maré's nicht enden wollende Trauer. Oft trafen sie sich im Aufenthaltsraum oder ab und zu auf einen Café und erzählten sich gegenseitig ab und zu auch Privates.

Maré weiß, dass ihre Kollegin viele Verehrer, aber keinen festen Partner hatte. Und sie weiß auch, dass ihre Kollegin sie verkuppeln möchte.

"Ohne mich!" sagte Maré entschlossen, als sie sich im Umkleideraum noch kurz frisch machte.

Entschlossen ging sie auf ihre Kollegin zu:"Weisst du was? Ich brauche deine gutgemeinten Aufmunterungen nicht. Ich möchte von dir nicht mit irgendeinen Kollegen, Freund, oder was auch immer verkuppelt werden. Ich möchte  jetzt auch nichts mit dir oder irgendwem etwas trinken gehen. Ich will das alles nicht!" Maré schrie die Wut heraus. "Ich kann kein Pokerface aufsetzen und mit einem Mann, der die beste Frau der Welt verdient, über Gott und die Welt reden, aber mit den Gedanken in den Wolken und mit dem Herzen in einer Traurigkeit versunken zu sein. Er hätte das micht verdient."

Ihre Kollegin sah sie erschrocken an. Bevor sie etwas erwidern konnte, nahm Maré ihre Jacke und ihren Rucksack und lief an ihr vorbei, ohne sich zu verabschieden.

Ja, nein! Man weiß nicht immer was das Beste für einem ist. Manchmal sind das was man gern hätte und das was man braucht, zwei verschiedene Dinge. Dann nimmt man was man im Moment braucht.

Und Maré brauchte niemanden um sich herum. Sie brauchte Zeit für sich. Sie brauchte niemanden, der sie in den Fluss des Lebens werfen will. Sie ist schon viel weiter. Sie ist schon im Meer und sie schwimmt und taucht und lässt sich treiben. Das alles braucht ihre ganze Kraft, ihre ganze Ausdauer und ihre ganze Geduld. 

Gleichgewicht ist das Wichtigste um zu erkennen wann man sich zurückhalten soll, wann man innehalten soll wenn man unsicher ist und wann man wieder loslegen sollte.

Maré aber ließ sich zu jenem Zeitpunkt treiben. Sie hatte weder Gedankengleichgewicht noch Herzsicherheit. Ihr inneres Koordonatensystem war durcheinander.

"Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an,"  dachte sie, während sie auf den Straßenverkehr achtetete und ihr Auto sicher nach Hause lenkte.

Das Timing bestimmt den Alltag, den Job, die Liebe,......eigentlich das ganze Leben.

"Ich weiß nicht ob jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, mich zu verlieben!" dachte sie als sie sich badfertig machte. "Ich möchte niemandem meine Trauer aufzwingen. Ich will nicht das Gefühl haben, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, mit dem richtigen Menschen." 

Nach einem entspannenden Bad rief sie ihre Kollegin an und entschuldigte sich für ihr Verhalten.

"Hmmm, das Timing," wiederholte ihre Kollegin mit einem winzigen Hauch Ironie in der Stimme. "Schon mal daran gedacht, dass das ach so unperfekte Timing in deinem Leben etwas verändern konnte? So ein bisschen etwas, oder alles. Das ganze Leben?" sie wurde etwas lauter, denn die Musik im Hintergrund war laut. "Das ist deine Angst. Du hast Angst vor Veränderungen, meine Liebe. Was wenn jemand dich anspricht, was wenn du dich in ihn verliebst oder eher er in dich, oder noch besser: die Liebe ergreift dich, dir jemand zu nahe kommt, dich mitreißt, dich ins Leben reißt, in die Tiefe einer Liebe reißt? Das ist es. Das ist deine verdammte Angst."

"Ich habe keine Angst!" weinte Maré.

"Aber ja hast du Angst Maré!" antwortete ihre Kollegin bestimmt." Du verliebst dich und es gibt kein zurück und was ist wenn du es noch magst verliebt zu sein? Sag mir jetzt nicht dass ich Unrecht habe! Und wie Recht ich habe!" 

"Gut du hast Recht, aber eigentlich hast du doch Unrecht!" sagte Maré mit tränengetränkter Stimme.

"Damit du weißt: du hast einige schnuckelige Typen verpasst. Einige waren so richtig süß. Nur damit du weißt was du alles verpasst hast! Du brauchst Trauersex!" 

Maré räusperte sich verlegen. "Was zum Teufel ist Trauersex?"

"Hast du wirklich keine Ahnung vom Leben, oder tust du nur so?" lachte ihre Kollegin und ihr Lachen klang wie zerspringendes Glas.

"Du das ist abartig! Das kann ich nicht. Mich an eine fremde Haut zu pressen, sich gegegnseitig die Körperkonturen zu streicheln, sich in eine fremde Körpermulde zu legen, jemanden zu küssen mit dem ich bis anhin keinen Alltag geteilt habe? Und danach wortlos wieder in meinen Alltag, in mein augenblickliches Chaos zurückzukehren, als wäre nichts gewesen?"

"Dramatisiere es doch nicht so! Du siehst alles viel zu engstirnig! Du hast doch genug Verehrer die dich gerne auf andere Gedanken bringen könnten.Vielleicht wollen die auch nicht mehr. Nicht jeder Mann möchte gleich das ganze Programm bis auf immer und ewig."

"Weißt du, ich möchte nicht nur Körper sein der sich sehnt, der sich hingibt bis alle Muskeln schmerzen, bis die Lippen brennen, etwas was sich bis zur Hingabe öffnet bis man weint, weil man sich  mit allen Sinnen verliert." Maré redete als höre ihr niemand zu.

"Was ist so falsch daran? Was ist falsch daran, wenn du dein Leben weiter lebst? Deine Mama verschwindet nicht aus deinem Herzen, aus deinen Gedanken. Hast du davor Angst? Fühlst du dich deswegen schuldig, du lebst weiter und sie ist tot?"

"Nein! Verstehst du wenn ich dir erkläre, dass jemand das Eigentliche in mir findet, das in mir sieht was andere nicht sehen und umgekehrt. Ich will für jemanden mehr sein als nur Körper! Und was ist wenn wir uns danach nchts mehr zu sagen haben?"

"Und wie willst du das anstellen, wenn du dich versteckst. Wie soll dich jemand finden? Wieso soll er dich ansehen, wenn du ihn nicht ansiehst? Nächstes Mal bist du dabei, versprochen?"

Maré versprach irgendwann "wenn mir nach Gesellschaft ist" mit ihr um die Häuser zu ziehen. Irgendwann ist ein undefinierter Zeitraum.


Vorsicht vor der Banalität. Denke daran, wenn du ertrinken willst - tu es zumindest in einem Meer und nicht in einer Badewanne








 

samedi 5 décembre 2020

Journalseite

Manchmal brauchen wir keine hörbaren Worte. Manchmal ist sogar die Stille ein Wolf der den Mond anheult. manchmal ist die Stille noch lauter als der lauteste Schrei.

©Émilia

"Heute ist der Tag schon neun Stunden alt. Morgen, übermorgen werden verstreichen und es wird weitere Tage geben. Zwischen den Tagen bin ich mit meiner Traurigkeit und mit dem Gefühl des Vergessens im Herzen.

Es ist nicht gut wie ich vor mich hin vegetiere. Ich will leben und nicht überleben. Ich will nicht im zähen Schlamm der Traurigkeit die ich in jeder Pore fühle stecken bleiben.

Ich muss an mich denken, an morgen. Ich muss nicht nur meine Füße nach vorne bewegen, sondern mit meinem Herzen, mit meinen Sinnen und mit meinem ganzen Denken vorwärts gehen. 

Ich weiß nicht ob es ein Instinkt des Herzens ist, wenn jemand aus dem Leben geht, auf welchem Weg auch immer, dass man beginnt Erinnerungen an diesen Menschen zu sammeln. Manchmal wird man bewusst zum Erinnerungensammler.

Ich wurde über Nacht zur Sammlerin. Ich halte an Erinnerungen fest, von denen ich mich am liebsten trennen sollte.

Es sind nicht nur Geschenke, oder Zeit die ich mit ihr verbrachte, sondern tiefe Gefühle wie Liebe, Enntäuschung und sogar Wut. 

Sie "für regnerische Tage" aufzuheben brauche ich das wirklich? Denn sie bauen mich nicht nur auf, sie ziehen mich auch runter. 

Sie nehmen mir das Tageslicht und geben mir Nachtschwere. Sie legen sich wie Nebel über mich, aus dem ich nicht entkomme, wenn ich die Erinnerungen nicht sortiere. Ich muss aufräumen, die Sonne in mein Leben lassen, neu anfangen.

Ich werde mit dem Vergessen leben müssen. Das eine oder andere Lächeln werde ich behalten.

Jeder neue Tag legt sich in meine Hände, in mein Herz. Also sollte ich ihm mehr als ein Lächeln bieten. Mich."


 Anmerkung: Schrift: Great Vibes(enthalten in Blogspot zur Auswahl)




vendredi 6 novembre 2020

Die Partitur


Chaque matin elle laisse dans son lit ses rêves, 
se réveille et enfile sa robe de vivre.

Die Traurigkeit legte sich wie eine zweite Haut um sie und hielt darunter gefangen. Maré war unfähig sich der ganzen Welt zu stellen. Die logische Welt lenkte sie ab. In der Chirurgie hatte sie alle Hände voll zu tun und ihre Logik und Konzentration wurde gefordert. Doch ihre emotionale Welt funktionierte nicht. An freien Tagen, fiel ihr allein schon die Morgendusche schwer.
Das Leben ging weiter nur mit dem logischen Teil ihres Ichs.
Sie schleppte sich widerwillig zur Haustür. Sie lehnte für einen Moment ihre Stirn gegen die kalte Glastur und sah hinaus. Vor der Haustür spielte sich das Leben ab  - ohne sie. Sie schloss die Augen.
Dann richtete sie sich auf und strich sich ein paar wilde Locken aus dem Gesicht. Eine unwillkürliche Bewegung, denn es war ihr egal wie sie aussah. Den wilden Locken sah man nicht an, ob sie gekämmt oder ungekämmt waren.
Tränen schossen wie eine Quelle in ihre Augen und bahnten ihren Flusslauf über ihre blassen Wangen.
"Verdammt, ich bin nicht einmal in der Lage vor die Tür zu gehen, geschweige denn unter die Leute." seufzte.
Sie ging zurück in die Küche, öffnete den Kühlschrank. Gähnende Leere schlug ihr entgegen.
"Es reicht verdammt noch mal!" schimpfte sie in Gedanken. "Du kannst heulen oder lachen, du kannst die Welt auf den Kopf stellen, sie wird nicht vom Himmel auf die Erde fallen und weiterleben. Sie ist so was von tot. Also du gehst jetzt raus, kaufst dir Essen und Wasser und gibst deinem Leben Normalität und Sinn."
Maré öffnete die Haustür und staunte. Sie fühlte sich als wäre sie aus einem tiefen Winterschlaf erwacht. Sie hatte es satt, der Schwarz-Weiß-Musik des nicht gestimmten Klaviers der Traurigkeit zu lauschen. 
Es war Frühling und die die pastellfarbenen Farben hauchten der Leinwand der Natur neues Leben ein.
Maré nahm die Autoschlüssel von der Kommode im Flur und ihre Einkaufstaschen und fuhr zum Supermarkt in die Stadt.

Sie freute sich wieder auf die Frühlingsonate für ihr Klavier mit bunten Tasten.
Inspiriert von den Farben des Frühlinganfangs und vom milden Märzwind genoss sie jeden Tag eine neue Partitur meines Lebens in vollen Zügen.
Sie lief nicht achtlos durch das Leben sondern sie lief fröhlich aber auch nachdenklich durch den Frühling, achtete auf sich, flirtete, machte lange Spaziergänge, zwar nicht am Meer, sondern am Fluss. Sie ging unter Menschen. Sie genoss den Morgentau auf dem kruden pastellgrünen Gras.
Die weiß-schwarze Partitur des Trauers war vorbei, doch einen Hauch von Melancholie blieb.
Sie schrieb am Abend in ihr Journal:
"Die Traurigkeit ist vorbei. Ich werde dem Eiswinter vergeben, dass er die Bäume für mich in ein weißes Schneeblütenbrautkleid gehüllt hat, die für mich bereit waren ihre Knospen in einem pastellfarbenen Feuerwerk aufgehen und aufblühen zu lassen. Ich werde meine Herzfenster weit öffnen,  mich vom Frühling parfümieren lassen und den Duft in meine Sinne aufnehmen.
Ich werde intensiver, inniger und tiefgründiger lieben. Ich werde sensibler, besonnener und hilfsbereiter zu meinen Leben und meinen Lieben sein und sie beschützen wie ein Wildtier seine Brut beschützt.
Und ich werde genießen.
Ich bin bereit mich zu verlieben."
"Bist du nicht!" schrie ihr Herz.
Sie zog die Vorhänge zu, legte sich in ihr Bett und ließ den Raum in die Abenddämmerung versinken. Sie liebte es zuzusehen wie das warme Licht des Abend in die Nacht versinkt.
Ihre schwarze Katze, ein Geschenk ihrer Mutter gesellte sich mit einem lautlosen Satz zu ihr.
"Katzen können das was uns Menschen verwehrt bleibt: leise durchs Leben zu gehen." dachte Maré.
Katzen sind aufmerksam und rücksichtsvoll.
In der Stille der Nacht, ist es sehr schwer den Tag hinter sich zu lassen. Die Traurigkeit die sie immer noch fühlte versuchte sie Tag für Tag zu überwinden.
Am nächsten Morgen stand sie um 04:30 Uhr auf und ging arbeiten.

J'ébouriffe la nuit en cendres
comme si c'était ma dernière
ton absence est si loin à présent.
Alors je frissonne entre mes silences.




mardi 3 novembre 2020

Das Lied

Ihre Mutter wurde am zehnten Tag nach ihrem Unfalltod zu Grabe getragen. Um den Unfalltod zu untersuchen wurde eine Autopsie angeordnet. Multiples Organversagen. Die Nieren haben ihre Funktion eingestellt und somit das Blut und alle anderen Organe schleichend vergiftet. Sie sei am Steuer ohnmächtig geworden, hieß es in den Berichten.

Maré ahnte bei ihrem letzten Besuch und bei ihrer letzten Umarmung, dass ihre Mutter sich schon längst aufgegeben hatte. Die letzte Umarmung fühlte sich so kraftlos an, als würde das Leben schon schrittweise  aus ihrem Körper weichen.

"Wann begann das Leben aus ihrem Körper zu weichen? Wann hat sie sich entschlossen nicht mehr zu kämpfen?" fragte sich Maré als sie zwischen ihren Brüdern in der Trauerhalle des Friedhofs saß.

Es duftete nach Lavendel und Honig. Ihre Mutter liebte Lavendel über alles. Ihre Großmutter hatte bei der Friedhofsgärtnerei kleine Lavendelsträuße, die ins Grab geworfen werden, in Auftrag gegeben.

Maré ließ die Traueransprache des Priesters über sich ergehen. Die Psalmen und beschriebenen Szenen aus dem Leben ihrer Mutter erreichten weder ihr Herz noch ihre Gedanken. Die zweistündige Trauerfeier hatte sie im Laufe in stimmige innere filmähnliche Bilder verwandelt.

Ihre taumelnde, weinende, vor Trauerschmerz wimmernde Großmutter, die Mutter ihrer Mutter, fiel abwechselnd Maré und ihren Brüdern in die Arme. Obwohl Maré sich selbst kaum halten konnte, musste sie den Lebensgefährten ihrer Mutter auch noch stützen. 

Wie in Trance hörte sie die samtweichen, seidefeinen, liebevollen Worte ihres Papá's die an ihre Mutter adressiert waren. Sie fühlten sich warm an, wie eine Decke aus Schafwolle und Vogelfedern, als er die Liebe seines Lebens zum letzten Mal mit Worten zudeckte.

Sie hörte wie ihre Brüder mit zitternder Stimme über Erlebnisse aus dem Leben  bildlich sprachen. So viele schöne zarte und kräftige Farben in den Bildern.

Maré musste sich schnell zusammennehmen und ihre vom Weinen durchgewaschenen Stimmbändern zum sprechen bringen. Die Traurigkeit fühlte sich an wie ein aus Versehen verschluckten Bonbon in ihrem Hals an und schnürte ihr fast die Kehle zu.

"Löse den Knoten und sag was!" schrie sie sich in Gedanken an. "Man erwartet das von dir als einzige Tochter!"

Sie weinte lautlos und sie zitterte vor Kälte.

"Sag was!" flüsterte ihr Zwillingsbruder an ihr Ohr. Ihr größerer Bruder legte seinen Arm um sie. "Komm sag auch etwas!"

Maré sah durch den Tränenschleier auf den mit weißen Rosen und Lavendel umrahmten Sarg. Mit zitternden Fingern entfaltete sie ein tränennasses Blatt Papier auf dem sie ein paar Stichworte gekritzelt hatte und sagte:

"Mama, ich wollte dir noch sagen," sie sprach sehr leise. "Ich wollte dir noch über die Sterne in deinen Augen sagen, sie waren schön. Wenn du lächeltest, schien die Sonne, auch denn wenn die Welt im Regen unterging. Ich möchte dir noch über den Donner in deiner Stimme wenn du auf mich wütend warst sagen, er erschreckte mich sehr. Du wolltest es gut mit mir. Du duftetest immer nach Heublumen und frisch gemähtem Gras. Nach Sommerregen und Orange im Winter. Ich werde auch an die Tränen denken, die vor Freude und die vor Traurigkeit geweinten, wenn wir uns umarmten. Ich werde mich auch an deine Enttäuschung und an deinen Stolz auf mich erinnern. Und nun ja, ich werde oft auch an dein Verschwinden im Nebel denken. Dein Weggehen für immer. Ich kann dich nicht loslassen, so wie es andere tun werden, da sie sich einreden deiner Seele Frieden zu schenken, indem sie dich loslassen. Ich werde dich bestimmt urlange vermissen und Himmel und Erde in Herz und Gedanken in Bewegung setzen um dich lange bei mir lebendig zu halten."

Dann schwieg Maré. Sie blickte auf die Lavendelsträuße mit den weissen Rosen, auf den Fliesenboden, auf den gemusterten Teppich unter dem Sarg.

Der Friedhofsweg war gefühlte Ewigkeiten lang. Die Trauerprozession schien sich in Zeitlupe fortzubewegen. Das Grab, die ausgehölte Erde symbolisierte die Endlichkeit des Lebens. Erde die polternd auf den Sarg Sarg fiel, die kleinen Blumensträuße deren Blütenblätter abfielen, als sie auf den Erdkrumen aufschlugen fügten der Trauermusik noch ein paar Trauerakkorde hinzu. Weitere Erdkrumen fielen auf den Sarg und trennten Maré immer mehr von ihrer Mutter. Sie legte ihre weiße Rose auf den Erdhügel der einem riesigen Maulwurfhügel ähnelte. Wie ein weißer Violinschlüssel auf einem schwarzen Notenblatt lag die Rose da, als würde sie auf die Noten warten die sich zu einem Lied aneinander reihen. Maré starrte lange auf das Élégienotenblatt, bis jemand sie sanft an der Schulter berührte und ihr "Lass uns gehen!" zuflüsterte. Sie drehte sich um, hakte sich bei ihrer Großmutter ein und gemeinsam schleppten sie sich nach Hause.

Nach der Trauerfeier lag Maré in ihrem ehemaligen Kinderzimmer, bei brennendem Licht, dessen Schatten sich an den Wänden zeigte. Sie lag auf ihrem Jugendbett und starrte an die himmelblaufarbene Decke.

Es klopfte an der Tür. "Komm runter etwas esssen." sagte ihr Zwillingsbruder.

"Laaaaaassss mich in Ruhe!" schrie Maré.

Rotztropfen nennt man einen Tropfen unverteilter Farbe auf  Wänden oder auf  einer Leinwand. Sie musste lächeln, bei dem Gedanken, dass nichts im Leben perfekt ist.

Dann schlief sie ein.

"Du hast gesungen!" sagte ihre Großmutter am Frühstückstisch. "Sehr schön, aber ich habe nichts verstanden."  Maré erinnerte sich weder an das Lied noch an den Traum. 

Maré konnte sich weder an einen Traum, geschweige denn an ein Lied erinnern. Sie konnte sich nur noch daran erinnern, dass sie gefroren hat und sich in Decke und Überdecke eingewickelt hatte wie in einen Kokon.

"Du sitzt auf Mama's Platz schrie Maré ihren Zwillingsbruder an. Er tat so, als hätte er nichts gehört. Er war zu sehr mit seinen eigenen Gefühlen beschäftigt, um sich mit seiner Schwester zu streiten. Er setzte sich auf einen anderen Stuhl.

"Kinder, seid einfach still. Benimmt euch nicht wie Idioten. Ich brauche den Krieg zwischen euch hier  nicht. Seid friedlich!" schrie ihre Großmutter und klopfte mit der Faust auf den Tisch.

Die Stille danach war surreal.

Jeder flüchtete in seine eigene Trauer. 

Sogar die Katze fand keine innere Ruhe und rannte suchend im Haus herum. Trauernde Tiere benehmen sich ebenso so seltsam wie trauernde Menschen. Sie suchen lange nach dem geliebten Menschen.

Dehors, du soleil.
je m’habille de cendres.
Que savons-nous d'être vivant
quand le matin 
il nous faut tendre les mains
pour retenir la vie ?

Dans les  ténèbres  qui retiennent leur souffle

dans l’odeur de la nuit

on aimerait parfois s’endormir

et ne plus se réveiller

Un voyage sans retour

seul(e) à seul(e)

sur la piste des oiseaux.

Mais Dieu n’entend pas nos silences.

Alors, demain peut-être on caressera

l'ABSOLU.

S'il se laisse faire.


mercredi 28 octobre 2020

Journalseite




Im Albtraum zwischen Leben und Tod,  - ich! Ich suche nach Antworten, nach Sinn und Zweck und kann einen natürlichen Weg der Welt nicht verstehen und weiß nicht, wen ich in diese Leere setzen soll. Auf den leeren Stuhl am Esstisch, auf die Couch mit einem Buch in der Hand. Wer soll ihre Musik hören? Womit soll ich ihr Lachen ersetzen?
Ich kann mich weder mit der zukünftigen Wiedervereinigungen im Himmel noch mit Erinnerungen an die Vergangenheit anfreunden und zufrieden geben, weil ich in der Gegenwart lebe. Ein Geschenk, in dem die Hände ihren Zweck nicht finden, die Augen die nur in der Flamme einer Kerze finden, die mich an Vergänglichkeit erinnert.
Und da ist auch die Kälte der leeren Räume, durch die ich gehe, ein Blitzgedanket, der mich mit scharfen Erinnerungen trifft, Erinnerungen, die mich nicht warm halten, egal wie sehr ich mich an ihr Lächeln, an ihre Stimme, die Wärme ihrer Handflächen erinnere.
Ich bin hier allein. Sogar die Worte erstarren, werden zu schmerzhaftem Unsinn und weigern sich, in einer natürlichen Reihenfolge dem Hier und Jetzt zu folgen.
Heute vermisse ich mein ganzes Leben mit ihr. Ich vermisse mich selbst, aber am allermeisten vermisse ich meine Mutter! Schließlich vermisse ich sie alle die weg sind. Denn langsam gibt mehr Menschen die ich vermisse im Himmel als auf Erden.

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